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Das Sportjahr 2010

Unter der Überschrift„Sportjahr 2010“ fand in der Stadiongaststätte Schönaich auf Einladung von Clemens Binninger und dem CDU-Ortsverband Schönaich eine weitere interessante Diskussionsrunde in der Reihe „Politik im Gespräch“ statt. Eberhard Gienger, der frühere Turner und Weltmeister am Reck (1974) und Kathrin Paetzold, seit drei Jahren Triathlon-Profi aus Schönaich, konnten dem Publikum unter der Moderation von Otto Kühnle, Chefredakteur der Kreiszeitung Böblinger Bote, ein abwechslungsreiches und spannendes Kontrastprogramm aus zwei Generationen von Sportlerleben bieten.

Dr. Norbert Lurz, Paul Nemeth MdL, Otto Kühnle, Eberhard Gienger MdB, Kathrin Paetzold, Clemens Binninger MdB

Während die 28-jährige Triathletin erst nach mehreren Stunden die Ziellinie erreicht, müssen Turner wie Gienger ihre Leistung auf den Punkt genau abrufen können. 50 Sekunden hochkonzentrierte Leistungserbringung – „dafür trainiert man Jahre“, so der heutige CDU-Bundestagsabgeordnete. Doch so unterschiedlich die Disziplinen der beiden Gäste auch sind, in Einem sind sie sich einig: „Ein Wettkampf wird in der Weltspitze im Kopf entschieden“, erklärt Paetzold. Über Sekunden entscheidet dann der mentale Flowzustand. Dies sei auch im letzten Jahr ein Problem der Triathletin gewesen, erzählt sie, deshalb habe sie – trotz anfänglicher Skepsis – einen Sportpsychologen aufgesucht und könne es mittlerweile nur jedem empfehlen. Sie will im nächsten Jahr wieder angreifen, für den Triathlon in Roth hat sie sich eine Zeit von 8:55 Stunden (!) vorgenommen. Auch Gienger kennt solche „Sinuskurven“ im Sport. „Das Schwierigste“, führt der Sportler des Jahres 1974 und 1978 aus, „ist, aus der Talsohle wieder herauszukommen.“ Konsequentes Training sei wichtig, um die Leistung auf den Punkt genau abrufen zu können.

Der Aufwand, den Paetzold betreibt, ist immens. Ein wöchentliches Trainingsprogramm umfasst bei der Triathletin ein Pensum von 16 Kilometer schwimmen, 70-80 Kilometer laufen und 500 Kilometer Rad fahren. Finanziell sei es jedoch äußerst schwierig, bedauert die Triathletin, ohne Unterstützung aus dem privaten Umfeld, sagt sie, ginge es gar nicht, denn „jeder Hobby-Fußballer kriegt mehr als ich“. Die Gründe dafür: Da der Langstreckentriathlon keine olympische Disziplin ist, gibt es keine Fördergelder, auch nicht von Verbänden. Sie muss sich selbst um Sponsoren kümmern und auch das sei äußerst schwierig. Leichter hatte es da schon der ehemalige Turner Gienger, der von der Deutschen Sporthilfe mit 175 Mark gefördert wurde. Auch durch Schauturnen konnte er zusätzlich Geld verdienen. Anfangs gab es noch 30 Mark, je bekannter er wurde, desto höher wurden die Gagen, irgendwann gab es sogar für einen Auftritt bis zu 2000 Mark. Durch Bekanntheit und Kontakte sei sowieso alles einfacher, berichtet der Ex-Athlet. Es öffnen sich Türen, aber „dennoch muss man seine Leistung erbringen“, so Gienger, sonst sei man schnell ganz schnell wieder draußen. Auch der Kontakt mit HP, wo er von 1990 bis 1993 Leiter der Abteilung Sportmarketing Europa war, ergab sich aus einem Gespräch und Kennenlernen nach einem Schauturnen. „Selbstvermarktung ist wichtig“, betont der erfahrene Ex-Sportler.

Der Weg nach dem Sport ist für Kathrin Paetzold noch offen. Zwar läuft nebenher noch ein Lehramtsstudium, doch die Schönaicherin hofft eher auf eine Karriere im Sportmanagement. „Wenn also gar keine anderen Möglichkeiten offen stehen sollten, bleibt immer noch der Weg in die Politik“, scherzte Kühnle und bezog sich auf Giengers Karriere, die vor acht Jahren eine interessante Wende nahm: Die Bundestagswahl 2002, bei der Gienger als Direktkandidat aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber für die CDU in den Bundestag einzog.

Beim Thema Doping haben die beiden Podiumsgäste unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Während Kathrin Paetzold regelmäßig über ihren Aufenthaltsort Bericht abgeben muss und sieben bis acht Mal pro Jahr vom Verband auf Doping getestet wird, wurde Gienger in den 1970er Jahren nach einer Operation ein Medikament verschrieben, das damals erlaubt war, heute aber auf der Dopingliste steht. Solche Situationen seien sehr schwierig für Leistungssportler, stellt der Abgeordnete dar. Zum Beispiel im Hinblick auf medikamentöse Behandlung nach Operationen oder Verletzungen, wie bei ihm, so Gienger, „muss der Sportler dem Verband detailliert und ärztlich dokumentiert vorlegen, dass er diese Medikamente benötigt und warum“. Einig waren sich alle Besucher des Abends darin, dass es diese Veranstaltung locker mit dem Alternativprogramm der deutschen Nationalmannschaft aufnehmen konnte.